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SCHLAG AUF SCHLAG

Dass meine Kondition momentan geschätzt ungefähr ein Zehntel dessen beträgt, was ich irgendwann mal in einer guten Zeit geleistet habe, hab ich bereits nach zwei Minuten gemerkt.
Mittlerweile bin ich lange über den Punkt hinaus, an dem ich die Erschöpfung noch gespürt hätte.

Stechender Schmerz fährt durch meine bandagierten Knöchel, wieder und wieder, mit jedem Schlag auf den Sandsack. Schweiß rinnt mir über die Brust und sickert in meine Hose, die widerlich an meinen Beinen klebt.
Allein mein gelegentliches Stöhnen durchfährt die Stille. Ich wirbel den Staub auf, der sich bereits in einer feinen Schicht an mir festzusetzen beginnt, und frage mich, ob ein Außenstehender das Ganze wohl als "Selbstverletzung" verstehen könnte.
Aber das ist es nicht. Ich braue keinen Schmerz, ich muss mir nur mal wieder beweisen, was mein Körper noch leisten kann - und irgendwo spielt sicher auch die Aggressivität eine Rolle, die sich irgendwann zwischen Silvester und den letzen Wochen in mein Leben eingegliedert hat.
Ich huste, bin mir aber nicht sicher, wieso. Mir schießt die Frage durch den Kopf, wie viel man rauchen muss, um seine Lunge einzuschränken und ob man bei mir schon von "gesenkter Gesamtkondition aufgrund von verstopften Lungenbläschen", auch gennant Raucherlunge, sprechen kann, wie es der Arzt meines Großonkels bei ihm so treffend beschrieb.
Schlag auf Schlag auf Schlag. In meinen Ohren rauscht mein Blut. Mein Herz schlägt dagegen an. Ich keuche, sauge Luft ein und habe trotzdem das Gefühl, dass zu wenig Sauerstoff meine Zellen erreicht. Ich muss an den Kampf mit Al vor ein paar Tagen denken, meine harten Haken und seine gebrochene Nase. Ich hatte einen enorm heftigen Schlag, und es ist auf eine Art beruhigend, zu wissen, dass ich das nach der langen Zeit immer noch zustande bringe.

Nach einer Viertelstunde leere ich eine Anderthalb-Liter-Flasche Wasser, setze mich keuchend auf eine alte, verstaubte Holzbank neben dem Boxring und lege den Kopf in den Nacken.
Ich spüre das Blut in den angeschwollenen Adern pulsieren.
Mir ist schlecht, mein ganzer Körper zittert. Mühsam wickel ich die Bandagen von meinen Knöcheln, öffne testend die Hände und beiße vor Schmerz die Zähne zusammen. Meine Knöchel sind knallrot, meine Hände zittern.
Ich brauche drei Anläufe, um mir eine Kippe anzuzünden.
Man kann sagen, was man will, aber scheiße -
das hat mir gefehlt.
12.7.11 22:01
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Pride / Website (27.7.11 13:10)
:D ich schlage zwar nie auf Sandsäcke ein, aber das Gefühl nach dem Combat, oder dem Pumptraining total fertig zu sein liebe ich, erst dann habe ich richtig gute Laune, auch wenn ich danach meistens auch außer duschen und ins Bett gehen nichts mehr zu Stande bringe.

lg Pride


place-bo (27.7.11 14:37)
Ich schlag eigentlich auch lieber auf Leute ein.. nein, im Ernst, ist besser als anderen irgendwas zu brechen. Grüße!

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