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BEAUTIFUL SOUL

Giucie sitzt auf einem alten Stuhl rauchend auf meinem Balkon, hört mit Kopfhörern Musik und starrt auf die Straße raus. Neben ihr stehen Bierflaschen, zwei davon sind voll mit Kippenstummeln.
Gähnend fahre ich mir mit der Hand durch die Haare, als sie sich umdreht.
"Bist du eingepennt?", fragt sie und lächelt.
"Jo." Müde strecke ich mich kurz, schnappe mir zwei dicke Decken von der Couch und werfe sie ihr über.
"Danke."
Sie hat einen von meinen dunkelgrauen Kaschmirpullovern an, die ihr viel zu groß sind. Fröstelnd wickelt sie sich eine der Decken um, zündet sich eine neue Kippe an und legt den Kopf in den Nacken. Sie sieht entspannt aus, irgendwie zufrieden.
"Wie lange hab ich gepennt?", frage ich mit heiserer Stimme.
"Zwei, drei Stunden.", antwortet sie. "Bist du mit deinem Artikel wenigstens noch fertig geworden?"
"So gut wie, und dann gleich mal über dem Laptop eingepennt.", murmel ich und greife nach ihrer Kippenschachtel. Fassungslos stelle ich fest, dass sie um die fünfzehn Zigaretten geraucht haben muss.
Sie winkt ab, als ich fragend die Augenbrauen hochziehe.
"Scheiß doch drauf, die Schachtel war noch übrig."
"Ich weiß nicht, wie oft ich dich angefleht hab, nicht mit dem Rauchen anzufangen.", stöhne ich.
Giucie lacht, schließt die Augen und schlägt sich die dicke Decke nochmal um die Beine.
Ich stelle einen der Stühle neben sie, werfe mir die andere Decke über, lasse mich neben sie fallen und stecke mir einen ihrer Kopfhörer ins Ohr.
Entspannt lehne ich mich zurück, zünde mir ebenfalls eine Kippe an und höre, was sie hört. Sauberen Oldschool-HipHop.
"Du hast nicht viel geschlafen die letzten Tage, oder?", fragt sie.
"Nein.", gebe ich zu. Ich glaub, ich seh auch ziemlich fertig aus; Meine Haare stehen in alle Richtungen ab, ich bin unrasiert und laufe in Boxershorts und weiten Shirts herum.
Aber es geht mir besser als in den letzen Tagen, und mittlerweile bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob ich wirklich wegziehen soll. Irgendwo merke ich natürlich, dass sich Giucie auf eine Art von mir distanziert, die mir nicht gefällt und die es früher nicht gab, und ich habe dauernd das Gefühl, dass ich ihr nicht annähernd so wichtig bin wie sie mir. Aber sie ist hier, wir streiten nicht und irgendwie bin ich mit der Situation ziemlich zufrieden.
Wir reden lange, über alles Mögliche. Zuerst nur oberflächlich, dann mehr wie früher.
Als die allerersten Anzeichen von Sonnenaufgang am Horizont aufgehen, sind alle Kippenschachteln leer, neben uns stehen massenweise leere Flaschen und überall liegen Stummel herum.
Giucie hat ihren Kopf an meinen gelehnt, ich habe einen Arm um sie gelegt, das selbe Album von vorher läuft immer noch Schleife, und die Distanz ist weg. Wir haben viel geredet und viel geschwiegen, und im Moment bin ich einfach nur glücklich mit allem so, wie es ist. Mit Giucie im Arm.

Wenig später fängt es tierisch an zu regnen und wir müssen rein, noch bevor die Sonne aufgegangen ist.
Sie pennt neben mir in meinem Doppelbett, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich bleibe eine Weile wach, höre ihr beim Atmen zu, und habe immer noch einen Arm um sie gelegt.
Irgendwann bin ich dann wohl doch auch eingeschlafen.
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2.6.11 03:24
 


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